Miasmatik - Forschung

Spätformen von angeborener Syphilis
in Form einer Casuistik

Dr. H. Donner, 1895 (Homöopathischer Arzt)

Bevor ich an die Definition und Beschreibung der Spätformen der angeborenen Syphilis, der Syphilis congenita tarda oder Lues hereditaria tarda gehe, halte ich es für notwendig, die wichtigsten Punkte der Lues hereditaria praecox, der unmittelbar nach der Geburt auftretenden Syphilis, die ja viel häufiger zur Beobachtung und Behandlung kommt, in Erinnerung zu bringen, da ihre Kenntnis für das richtige Verständniss und die richtige Diagnose der Spätformen nicht zu entbehren ist.

Dass die Syphilis erblich ist, wird heutzutage wohl von keinem vernünftigen Arzt mehr bestritten.

Schon Paracelsus schrieb in seinem Buche De causis et origine luis Gallici 1558. lib. II. C. 16: "Wenn der morbus Gallicus sich in die Conception mischt, so erbt das Kind die Krankheit und wird damit geboren." Auch bei Haschardus, Ferrier (1553), Rondelet (1560) und Fallopia (1564) finden wir vernünftige, unseren heutigen Anschauungen sich nähernde Ansichten über die ererbte Syphilis.

Weitere Untersuchungen über diese Punkte stellten an Astruc (l74O), Boerhave (1753), Van Swieten u. a., und schon Ende des 18. Jahrhunderts entstand in Paris das erste Spital für die Kinder syphilitischer Schwangeren, in dem sich namentlich Doublet, Bertin und Mahon hervortaten.

Erst Hunter hat ihre Existenz geleugnet und durch die Allgewalt seines Namens wurden alle Fortschritte, die bis jetzt in der Erkenntnis des Wesens der ererbten Syphilis gemacht wurden, wieder über den Haufen geworfen.

Durch die Macht der Tatsachen gezwungen, gab schliesslich Hunter die Möglichkeit einer Durchseuchung des Kindes durch die Mutter zu, während er eine Vererbung der Krankheit durch den Vater leugnete.

Auf seine Seite stellten sich nachher Cuillerier, Notta, Follin, Charrier u. a., welche also eine hereditäre Syphilis ohne syphilitische Mutter nicht gelten lassen wollten, während Swetiaur, Colles u. a. die Hunter'sche Theorie mit aller Entschiedenheit bekämpften, der kranken Mutter jede Einflussnahme auf die Vererbung der Lues absprachen und den alleinigen Anteil an der hereditären Syphilis des Kindes nur dem Vater einräumten.

So bekämpften sich die zum Theil völlig sich widersprechenden Anschauungen bis in die Mitte der 70er Jahre, bis der bekannte Wiener Kinderarzt Kassowitz durch eine geradezu phänomenale Arbeit alle einschlägigen Fragen einer genauen Untersuchung unterzog und so den Grund zu den heutigen Anschauungen über die Vererbbarkeit der Syphilis legte.

Es würde zu weit fuhren, alle die Arbeiten anzuführen, welche für die jetzige Anschauung bahnbrechend gewesen sind.
Heutzutage nimmt man wohl ziemlich allgemein an, dass sowohl der Vater als die Mutter an der Vererbung der Lues auf das Kind schuld sein können.

Entsprechend der häufigeren Erkrankung der Männer ist wohl die hereditäre Syphilis meist auf den Vater zurückzuführen. Dabei haben wir verschiedene Punkte zu berücksichtigen.

Sind beide Eltern bei der Zeugung syphilitisch, so addiert sich die schädigende Einwirkung; das Leben des Kindes ist in diesem Falle am meisten in Gefahr.

Inhalts-Verzeichniss.

  • Vorwort
  • I. Lues hereditaria praecox
  • II. Darmsyphilis
  • III. Lues hereditaria tarda
  • IV. Augenerkrankungen
  • V. Ohrenerkrankungen
  • VI. Erkrankungen der Geschlechtsorgane
  • VII. Gelenkerkrankungen
  • VIII. Knochenerkrankungen
  • IX. Hauterkrankungen
  • X. Erkrankungen der Schleimhäute
  • XI. Eingeweide-Syphilis
  • XII. Syphilis d. Nervensystems
  • XIII. Erkrankungen des Rückenmarkes
  • XIV. Homöopathische Heilberichte über Syphilis
  • XV. Behandlung der Syphilis bei Kindern
  • XVX. Nachwort

Dr. H. Donner, Spätformen von angeborener Syphilis (PDF)

Quelle: Dr. H. Donner, Spätformen von angeborener Syphilis (Syphilis congenita tarda) in Form einer Casuistik, Leipzig, 1896

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